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Szenariotechnik: Nutzen, Anwendung und Integration in die Strategiearbeit

  • Autorenbild: Dipl.oec. Traute Kaufmann
    Dipl.oec. Traute Kaufmann
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Dieser Blog erklärt den systematischen Prozess der Szenarioentwicklung, er zeigt die praktische Anwendung und Integration mit anderen Strategiewerkzeugen auf und hebt den besonderen Nutzen für robuste Strategieentwicklung mittels Szenariotechnik in unsicheren Zeiten hervor. 



Szenariotrichter Zukunftsentwicklung

In einer Welt voller Unsicherheiten und disruptiver Veränderungen stehen Unternehmen vor der Herausforderung, Strategien zu entwickeln, die nicht nur für eine wahrscheinliche, sondern für mehrere mögliche Zukünfte funktionieren. Die Szenariotechnik ist eines der wirksamsten Werkzeuge, um der Komplexität einer Entwicklung von Zukunftsbildern zu begegnen – und sie ist ein zentraler Bestandteil meines zweiten Bandes aus der Serie „Strategiewerkzeuge aus der Praxis - Optionenfindung, Strategieentwicklung und Umsetzung".


Was macht die Szenariotechnik für die robuste Strategiearbeit so wertvoll?

Die Szenariotechnik geht weit über klassische Prognosen hinaus. Während Prognosen versuchen, die Zukunft vorherzusagen, entwickelt die Szenariotechnik mehrere alternative, in sich konsistente Zukunftsbilder. Dieser Ansatz erkennt an, dass die Zukunft fundamental unsicher ist und durch verschiedene Einflussfaktoren in unterschiedliche Richtungen gelenkt werden kann. Der besondere Wert liegt in der Vorbereitung auf Unsicherheiten. Unternehmen, die mit Szenarien arbeiten, sind nicht überrascht, wenn die Entwicklung anders verläuft als zunächst angenommen – sie haben bereits Handlungsoptionen für verschiedene Zukunftspfade entwickelt.


Der Weg von der Analyse zum Szenario

Die systematische Entwicklung von Szenarien folgt einem strukturierten Prozess, der im Praxisbuch detailliert dargelegt und hier kurz dargestellt wird:


1.     Phase: Aufgaben- und Zieldefinition

Am Anfang steht die präzise Definition des Untersuchungsgegenstands. Was genau wollen wir mit der Szenarioarbeit erreichen? Geht es um die strategische Ausrichtung eines Geschäftsfeldes, die Bewertung von Marktentwicklungen oder die Vorbereitung auf technologische Disruption? Die Konkretisierung ist entscheidend: Damit eine tragfähige Basis für die weiteren Schritte entsteht, müssen Begriffe wie „langfristig", „erfolgreich" oder „wettbewerbsfähig" mit messbaren Kriterien hinterlegt werden.

 

2.     Phase: Identifikation der Einflussfaktoren

In dieser Phase werden systematisch alle Faktoren ermittelt, welche das untersuchte Unternehmen oder eines Geschäftsfeldes beeinflussen können. Dies umfasst:


  • Marktdynamiken und Wettbewerbskräfte

  • Technologische Entwicklungen und Innovationen

  • Regulatorische und politische Rahmenbedingungen

  • Gesellschaftliche Trends und Wertewandel

  • Wirtschaftliche Makrofaktoren

  • Branchenspezifische Treiber.


Die Kunst besteht darin, kritische Unsicherheiten zu identifizieren – also jene Faktoren, die sowohl hohe Unsicherheit aufweisen als auch bedeutenden Einfluss auf die Zukunft des Unternehmens haben.


3.     Phase: Szenarioentwicklung

Basierend auf den analysierten Faktoren werden nun unterschiedliche, in sich konsistente Zukunftsbilder entwickelt. Typischerweise werden drei bis fünf Szenarien erarbeitet, die ein breites Spektrum an Zukunftsmöglichkeiten abdecken:


  • Das optimistische Szenario (Best Case): Positive Entwicklungen verstärken sich gegenseitig.

  • Das pessimistische Szenario (Worst Case): Negative Faktoren dominieren die Entwicklung.

  • Das Trendszenario: Fortschreibung aktueller Entwicklungen ohne größere Brüche.

  • Disruptive Szenarien: Fundamentale Veränderungen durch technologische oder gesellschaftliche Umbrüche.


Entscheidend ist, dass jedes Szenario plausibel und in sich konsistent ist – nicht fantasievoll oder beliebig.


4.     Phase: Strategieableitung und Maßnahmenplanung

Hier zeigt sich der wahre Nutzen der Szenariotechnik: Für jedes entwickelte Szenario werden konkrete Handlungsoptionen erarbeitet. Welche Strategien funktionieren über mehrere Szenarien hinweg? Wo sind szenariospezifische Anpassungen notwendig?

Die Szenariotechnik ermöglicht die Entwicklung robuster Strategien – also Strategien, die unter verschiedenen Zukunftsbedingungen erfolgreich sind. Gleichzeitig werden Frühwarnindikatoren definiert, die signalisieren, welches Szenario sich gerade realisiert.


Integration in die Strategieentwicklung

Im Kontext meiner Reihe "Strategiewerkzeuge aus der Praxis" ist die Szenariotechnik optimal mit den anderen, dort abgebildeten Instrumenten verzahnt:


  • Die Produkt-Markt-Matrix und die Wettbewerbsmatrix liefern Inputfaktoren für die Szenarioentwicklung.

  • Die Optionen-Box hilft bei der systematischen Generierung strategischer Alternativen für verschiedene Szenarien.

  • Das Optionenportfolio bewertet und priorisiert diese Alternativen.

  • Die Strategiekarte und Balanced Scorecard übersetzen die gewählte Strategie in messbare Ziele und Maßnahmen.

  • Das strategische Frühwarninformationssystem monitort kontinuierlich, welches Szenario sich realisiert.


Diese Integration zeigt: Die Szenariotechnik ist kein isoliertes Tool, sondern ein zentrales Element in einem umfassenden strategischen Management-System.


Praxisnutzen: Wann Szenarien den Unterschied machen

Die Szenariotechnik entfaltet ihren größten Nutzen in folgenden Situationen:


  • Hohe Umfeldunsicherheit: Wenn Märkte, Technologien oder regulatorische Rahmenbedingungen starken Veränderungen unterliegen, bieten Szenarien Orientierung ohne falsche Sicherheit.

  • Langfristige Entscheidungen: Bei Investitionsentscheidungen mit langer Bindungswirkung (Produktionsstandorte, Technologieplattformen, Markteintritte) müssen verschiedene Zukunftspfade durchdacht werden.

  • Strategische Weichenstellungen: Bei fundamentalen Entscheidungen über die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens hilft die Szenarioarbeit, blinde Flecken zu vermeiden und alternative Perspektiven zu integrieren.

  • Krisenprävention: Unternehmen, die regelmäßig mit Szenarien arbeiten, sind besser auf Krisen vorbereitet – sie haben bereits Handlungsoptionen für ungünstige Entwicklungen durchdacht.



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